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Der Engel
Jedesmal, wenn ein gutes Kind stirbt, kommt ein Engel Gottes zur Erde hernieder, nimmt das tote Kind auf seine Arme, breitet die großen, weißen
Flügel aus und pflückt eine ganze Handvoll Blumen, die er zu Gott hinaufbringt, damit sie dort noch schöner als auf der Erde blühen. Gott drückt sie dort an sein Herz, aber der Blume, die ihm die liebste
ist, gibt er einen Kuß, und dann bekommt sie Stimme und kann in der großen Glückseligkeit mitsingen.
Sieh, alles dieses erzählte ein Engel Gottes, während er ein
totes Kind zum Himmel forttrug, und das Kind hörte wie im Traume; sie flogen über die Stätten in der Heimat, wo das Kleine gespielt hatte, und kamen durch Gärten mit herrlichen Blumen.
"Welche wollen wir nun mitnehmen und in den Himmel pflanzen?" fragte der Engel.
Da stand ein schlanker, herrlicher Rosenstock, aber eine böse Hand hatte den Stamm abgebrochen, so daß alle
Zweige, voll von großen, halb aufgebrochenen Knospen, vertrocknet rundherum hingen. "Der arme Rosenstock!" sagte das Kind. "Nimm ihn, damit er oben bei Gott zum Blühen kommen kann!"
Und der Engel nahm ihn, küßte das Kind dafür, und das Kleine öffnete seine
Augen zur Hälfte. Sie pflückten von den reichen Prachtblumen, nahmen aber auch die verachtete Butterblume und das wilde Stiefmütterchen.
"Nun haben wir Blumen!" sagte das Kind, und der Engel nickte, aber er flog noch
nicht zu Gott empor. Es war Nacht und ganz still; sie blieben in der großen Stadt und schwebten in einer der schmalen Gassen umher, wo Haufen Stroh und Asche
lagen; es war Umzug gewesen. Da lagen Scherben von Tellern, Gipsstücke, Lumpen und alte Hutköpfe, was alles nicht gut aussah. Der Engel zeigte in allen
diesen Wirrwarr hinunter auf einige Scherben eines Blumentopfes und auf einen Klumpen Erde, der da herausgefallen war. Von den Wurzeln einer großen
vertrockneten Feldblume, die nichts taugte und die man deshalb auf die Gasse geworfen hatte, wurde er zusammengehalten. "Diese nehmen wir mit!" sagte der
Engel. "Ich werde dir erzählen, während wir fliegen!"
Sie flogen, und der Engel erzählte: "Dort unten in der schmalen Gasse, in dem niedrigen Keller, wohnte ein armer,
kranker Knabe. Von seiner Geburt an war er immer bettlägerig gewesen; wenn es ihm am besten ging, konnte er auf Krücken die kleine Stube ein paarmal auf und
nieder gehen, das war alles. An einigen Tagen im Sommer fielen die Sonnenstrahlen während einer halben Stunde bis in den Keller hinab, und wenn der
Knabe dasaß und sich von der warmen Sonne bescheinen ließ und das rote Blut durch seine feinen Finger sah, die er vor das Gesicht hielt, dann hieß es: 'Heute ist
er aus gewesen!' Er kannte den Wald in seinem herrlichen Frühjahrsgrün nur dadurch, daß ihm des Nachbars Sohn den ersten Buchenzweig brachte, den hielt
er über seinem Haupte und träumte dann unter Buchen zu sein, wo die Sonne scheint und die Vögel singen. An einem Frühlingstage brachte ihm des Nachbars
Knabe auch Feldblumen, und unter diesen war zufällig eine Wurzel, deshalb wurde sie in einen Blumentopf gepflanzt und am Bette neben das Fenster gestellt. Die
Blume war mit einer glücklichen Hand gepflanzt, sie wuchs, trieb neue Zweige und trug jedes Jahr ihre Blumen; sie wurde des kranken Knaben herrlichster
Blumengarten, sein kleiner Schatz hier auf Erden; er begoß und pflegte sie und sorgte dafür, daß sie jeden Sonnenstrahl, bis zum letzten, der durch das niedrige
Fenster hinunterglitt, erhielt; die Blume selbst verwuchs mit seinen Tränen, denn für ihn blühte sie, verbreitete sie ihren Duft und erfreute das Auge; gegen sie
wendete er sich im Tode, da der Herr ihn rief. Ein Jahr ist er nun bei Gott gewesen, ein Jahr hat die Blume vergessen im Fenster gestanden und ist verdorrt und
wurde deshalb beim Umziehen hinaus auf die Straße geworfen. Und dies ist die Blume, die vertrocknete Blume, die wir mit in unsern Blumenstrauß genommen
haben, denn diese Blume hat mehr erfreut als die reichste Blume im Garten einer Königin!"
"Aber woher weißt du das alles?" fragte das Kind, das der Engel gen Himmel trug.
"Ich weiß es", sagte der Engel, "denn ich war selbst der kleine, kranke Knabe, der auf Krücken ging; meine
Blume kenne ich wohl!"
Das Kind öffnete seine Augen ganz und sah in des Engels herrliches, frohes Antlitz hinein, und im selben
Augenblick befanden sie sich in Gottes Himmel, wo Freude und Glückseligkeit waren. Gott drückte das tote Kind an sein Herz, und da
bekam es Schwingen wie der andere Engel und flog Hand in Hand mit ihm. Gott drückte alle Blumen an sein Herz, aber die arme verdorrte Feldblume küßte er, und
sie erhielt Stimme und sang mit allen Engeln, welche Gott umschwebten, einige ganz nahe, andere um diese herum in großen Kreisen und immer weiter fort in das
Unendliche, aber alle gleich glücklich. Und alle sangen sie, klein und groß, samt dem guten, gesegneten Kinde und der armen Feldblume, die verdorrt dagelegen
hatte, hingeworfen in den Kehricht des Umziehtages, in der schmalen, dunklen Gasse.
Hans Christian Andersen
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Die zwölf Apostel
Es war dreihundert Jahre vor des Herrn Christi Geburt, da lebte eine Mutter, die hatte
zwölf Söhne, war aber so arm und dürftig, daß sie nicht wußte, womit sie ihnen länger das Leben erhalten sollte. Sie betete täglich zu Gott, er möchte doch geben, daß alle ihre Söhne mit dem verheißenen
Heiland auf Erden zusammen wären. Als nun ihre Not immer größer ward, schickte sie einen nach dem andern in die Welt, um sich ihr Brot zu suchen.
Der älteste hieß Petrus, der ging aus, und war schon weit gegangen, eine ganze Tagreise, da geriet er in einen großen Wald. Er suchte einen Ausweg, konnte aber keinen finden und verirrte
sich immer tiefer; dabei empfand er so großen Hunger, daß er sich kaum aufrecht erhalten konnte. Endlich war er so schwach, daß er liegen bleiben mußte und glaubte, dem Tode nahe zu
sein. Da stand auf einmal neben ihm ein kleiner Knabe, der glänzte und war so schön und freundlich wie ein Engel. Das Kind schlug seine Händchen zusammen,
daß er aufschauen und es anblicken mußte. Da sprach es 'warum sitzest du da so betrübt?' 'Ach,' antwortete Petrus, 'ich gehe umher in der Welt und suche mein
Brot, damit ich noch den verheißenen lieben Heiland sehe; das ist mein größter Wunsch.' Das Kind sprach 'komm mit, so soll dein Wunsch erfüllt werden.' Es
nahm den armen Petrus an der Hand und führte ihn zwischen Felsen zu einer großen Höhle. Wie sie hineinkamen, so blitzte alles von Gold, Silber und Kristall,
und in der Mitte standen zwölf Wiegen nebeneinander. Da sprach das Englein 'lege dich in die erste und schlaf ein wenig, ich will dich wiegen.' Das tat Petrus, und
das Englein sang ihm und wiegte ihn so lange, bis er eingeschlafen war. Und wie er schlief, kam der zweite Bruder, den auch sein Schutzenglein hereinführte, und
ward wie der erste in den Schlaf gewiegt, und so kamen die andern nach der Reihe, bis alle zwölf dalagen in den goldenen Wiegen und schliefen. Sie schliefen aber
dreihundert Jahre, bis in der Nacht, worin der Weltheiland geboren ward. Da erwachten sie und waren mit ihm auf Erden und wurden die zwölf Apostel genannt.
Gebrüder Grimm
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Engelchen Tobias, die Taube und die Blume.
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Auf seiner kleinen Wolke saß das Engelchen Tobias und war traurig. Keiner hatte Zeit mit ihm zu spielen, keiner wollte ihm vorlesen, keiner ihn
aufheitern. Ach, er ließ sein Köpfchen hängen --- und --- sah hinunter auf die Erde. Auf dem Buchenbacher Friedhof sah er seine Mutter an seinem Grab. Auch sie war traurig, pflanzte schöne Blumen auf das
Grab und dachte an ihren Tobias. Wo er wohl war, was er wohl machte ??? In ihrem Herzen wußte sie, daß er ein Engelchen war. Ein kleiner Engel mit wunderschönen Flügeln.--- In der Nähe des Grabes saß
eine Taube. Diese schaute der Frau beim Pflanzen zu. Nach einer Weile war die Frau mit dem Bepflanzen des Grabes fertig, stand vor dem Grab und dachte an ihren Tobias. Da sah sie ein
Blütenköpfchen, das am Boden lag. Gerade, als sie sich danach bücken wollte, flog die Taube schnell herbei, nahm die Blüte in ihren Schnabel und flog davon. Tobias`Mutter lächelte und schaute der Taube
nach. "Kleine Taube, flieg zu meinem Tobias und bring ihm die Blüte, damit er weiß, daß ich
immer an ihn denke" !!! --- Im Himmel hatte Tobias diese kleine Szene beobachtet und war dadurch noch trauriger geworden. Die Sehnsucht nach seiner Mutti war riesengroß.
Da, auf einmal kam eine Taube angeflogen. Tobias streckte sein kleines Händchen aus, und --- die Taube setzte sich darauf und legte die
Blüte auf seine Hand. "Du, deine Mutti schickt dir diese Blume und läßt dir sagen, daß sie immerzu an dich denkt"!!!
Da freute sich Tobias und war gar nicht mehr traurig. Denn seine Mutti dachte ja immer an ihn !!! Und er wußte: Wer im Herzen eines anderen wohnt, ist niemals allein !!!
(c) Marion Löffler
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Mondenglanz, Sonnenglitter und Sternenstaub
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Ein kleiner Engel saß auf seiner Wolke und ihm war schrecklich langweilig. Und da Langeweile auch erfinderisch macht, dachte der Engel:
"Ach, ich fliege mal ein wenig durch die Lüfte und schaue mich mal um." Das tat er auch, und er sah den Mond. Er flog zu ihm und begrüßte ihn: "Hallo, Mond, dein Mondenglanz ist
wunderschön. Du glänzt ganz herrlich!" "Ja", sagte der gute alte Mond,"mein Mondenglanz erfreut die Menschen ungemein. Mein Glanz ist das Schönste auf der ganzen Welt!" Der Engel
erwiderte: "Wirklich wahr, dein Glanz ist so wunderschön, so etwas gibt es nicht noch einmal." Dann sah der Engel die Sterne leuchten und flog zu einem hin. Er begrüßte den Stern und sagte:
"Hallo, du Stern, ich habe deinen Sternenstaub gesehen, du blinkerst ja wunderschön." "Ja," sagte der Stern, "mein Blinkern ist so wunderschön, es ist das Schönste auf der
Welt." Das konnte der Engel nur bejahen. Dann sah der kleine Engel die Sonne. Schnell flog er zu ihr und begrüßte sie:"Hallo, Sonne, dein Sonnenglitter strahlt ganz wunderbar!"
"Ja,"sagte die Sonne"ich verteile meine Sonnenglitter-Strahlen über die ganze Welt. Etwas Schöneres gibt es nicht." "Das ist wahr", sagte der Engel,"etwas Schöneres sah
ich wirklich noch nie." Dann flog er wieder zu seiner Wolke. Lange Zeit verbrachte er dort. Er erfreute sich am Sternenstaub, am Mondenglanz und am Sonnenglitter. Und da jeder von ihnen meinte, sein
Glanz, sein Staub und sein Glitter sei das Schönste auf der ganzen Welt, konnte der kleine Engel sich nicht entscheiden, wer nun Recht hatte. Für ihn waren alle drei schön.
Der kleine Engel wurde groß und eines Tages wurde er einem Menschen als Schutzengel zugewiesen. Noch niemals war er einem Menschen begegnet. Wußte gar nicht, wie die
Menschen aussahen. Sein Mensch, dem er als Schutzengel dienen sollte, war ein Mädchen, das Julia hieß. Als er zu ihr hinflog, saß sie gerade am Tisch und malte. Es war ein trüber Tag.
Graue Wolken hingen am Himmel und die Sonne hatte sich dahinter versteckt. Alles war grau und trostlos. Der Engel stellte sich hinter den Schreibtisch -für Julia natürlich unsichtbar- und
schaute sich sein Menschenkind ganz genau an. Er war in seine Betrachtung versunken, als sich die Wolke verzog und die Sonne ihre Sonnenglitter-Strahlen
auf die Erde schickte, und auch durch das Fenster zur Julia. Diese schaute von ihrem Bild auf und freute sich über den Sonnenschein. Ihr Gesicht reckte sie
freudig der Sonne entgegen. Der Engel sah das Funkeln, dieses herrliche Funkeln und Blitzen ihrer Augen, und war geblendet ! Unverwandt sah er das kleine
Mädchen Julia an und wußte in diesem Moment: Sternenstaub, Mondenglanz und Sonnenglitter verblaßten gegen die Schönheit des Funkelns und Blitzens von
Julia`s Augen. Das Blitzen der Augen seines Menschenkindes war das Schönste auf der ganzen Welt !!!
(c) Marion Löffler
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Eingeschlafen...
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Tobias war mal wieder mit Pfeil und Bogen unterwegs, denn er wollte sich als "Engel Amor" versuchen. Das war gar nicht so einfach.
Überall gab es Menschen, die auf die Liebe und einen Partner warteten. Den Richtigen für die Richtige zu finden, war wirklich sehr, sehr schwer. Der Engel Amor übernimmt da eine große Verantwortung. Aber
Tobias, in seiner kindlichen Art, wußte nichts von dieser Verantwortung !!! Für ihn war das Schießen einfach nur schön. Er traf mal hier, mal dort. Er schoß wahllos durch die Gegend. Sogar die alten
Menschen in der Senioren-Anlage waren vor ihm nicht sicher. Und die alten Menschen mochte er sehr gerne, hatte er doch noch seine Oma und seinen Opa in bester Erinnerung. Auf einmal waren in dem
Seniorenheim viele "verliebte Leute " !!! Ja, Tobias hatte seinen Spaß daran, die einsamen, alten Herzen "zusammenzuführen". Das fand er sehr lustig und die Verliebtheit der Leutchen
fand er einfach schön. Alle waren auf einmal wieder sehr lebendig, sehr fröhlich und keiner ging mehr einsam und griesgrämig durch das Heim. Die Liebe hatte alle alten Leute ergriffen. Das hörte auch der
große Engel, der Tobias zu beaufsichtigen hatte. Aber, bei diesem kleinen Schelmen-Engel Tobias war das ja gar nicht so einfach. Immer war er unterwegs und oftmals nicht aufzufinden. Der große Engel
wollte Tobias Pfeil und Bogen wegnehmen. Damit er nicht noch mehr alte Leute traf. Also ging er auf die Suche - und wo fand er ihn ??? Natürlich im Garten der Senioren-Anlage. Er saß auf einer Bank im
Pavillion. Neben ihm lag der Bogen. Ein Pfeil war nicht dabei. Tobias erwachte, als er berührt wurde, er schaute dem großen Engel verwundert ins Gesicht. "Wo ist der Pfeil, Tobias ?" ----
"Oh, der Chef der Senioren-Anlage hat ihn mir nicht zurückgegeben." ---"Warum denn nicht ?" wollte der große Engel wissen. "Er hat gesagt, ich bekomme den Pfeil nicht mehr
wieder. Ich solle mehr die jungen Leute mit meinem Pfeil treffen. Wenn ich jetzt hier die Pfeile durch die Gegend schieße, würde vielleicht am Ende noch jemand an "gebrochenem Herzen" sterben.
Ich soll noch üben, hat der Heimleiter zu mir gesagt !!!"
"Na", sagte lächelnd der große Engel zu Tobias, "komm wir fliegen wieder in unseren Himmel hoch und dann üben
wir ... !!!"
(c) Marion Löffler
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Diese Geschichte erzählt von einem kleinen, blonden Engel und wie er seine Flügel wieder bekam..
Eines Tages spazierte ein kleiner blonder Engel mit seinem großen Schutzengel durch das Himmelsreich. Da blickte er durch ein Wolkenloch und sah eine neue Welt. Eine fremde Welt, die
ihn magisch anzog. Er fragte den Schutzengel: "Was ist das für eine Welt?" "Oh", sagte der Schutzengel "diesen Ort nennen wir Erde, dort leben die Menschen".
"Menschen?" fragte der kleine Engel "was sind das? "Das sind Geschöpfe, die nicht mehr wissen und vergessen haben, was Engel sind" sagte der Schutzengel. Verdutzt blieb der
kleine Engel stehen, schaute zum großen Schutzengel hinüber und lachte. Er lachte mit seiner hellen, klaren Stimme, daß alle Sternlein am Himmelszelt wackelten. Dann gingen sie weiter, doch der kleine
blonde Engel musste immer wieder an die Worte des Schutzengels denken. Nach einiger Zeit, da sah der kleine Engel während eines Spaziergangs wieder durch ein Wolkenloch auf die Erde. Ein seltsames Gefühl
stieg in ihm hoch und er fragte den großen Schutzengel: "Ich verspüre ein neues Gefühl in mir. Es kribbelt, was ist das?" Der große Schutzengel sah seinen kleinen Freund ruhig an und dann sagte er: "Dieses Gefühl nennt
man Sehnsucht". "Was ist Sehnsucht?", fragte der kleine blonde Engel. "Das Warten auf ein Wiedersehen mit der Ewigkeit." sprach der große Schutzengel.
Das verstand der kleine blonde Engel nicht, doch aus lauter Freude über dieses Gefühl lachte er, er lachte mit seiner hellen, klaren Stimme, daß alle Sternlein am Himmelszelt wackelten.
Die Zeit verging und der kleine Engel fühlte sich immer mehr und mehr zu den Menschen hingezogen. Seine Sehnsucht wurde so groß, daß er eines Tages zum großen Schutzengel lief und sprach:
"Wie komme ich auf die Erde?". "Nun", sprach der Schutzengel "Du musst warten, bis zwei Menschen sich nichts sehnlicher wünschen, als ein Erdenkind.
Dann kannst Du in ihre Welt reisen und sie kennen lernen.
Doch nur für einen Augenblick... Du bist ein Engel und Deine Aufgaben sind hier im Himmelsreich".
Der kleine Engel freute sich, er hüpfte aufgeregt von Wolke zu Wolke und wartete ungeduldig auf den Tag seiner Reise zu den Menschen.
Zur gleichen Zeit begab es sich auf der Erde, dass ein Vater und eine Mutter erfuhren, daß sie noch ein Kind erwarteten. Sie waren voller Freude und erzählten
es ihren beiden Töchtern, die schon in der Familie wohnten. Nun begann für die Familie das Warten auf den großen Tag der Niederkunft.
Mit jedem Tag wuchs auch die Sehnsucht der Eltern, daß das Kind endlich das Licht der Erde erblickte. Genau so unruhig wurde der kleine blonde Engel in seinem Himmelsreich. Dann
kam der Tag, an dem die Reise losgehen sollte. Der Schutzengel nahm den kleinen Engel bei der Hand und ging mit ihm zum Himmelstor und fragte ihn:
"Möchtest Du wirklich diesen Ausflug machen? Es wir nur eine kurze Reise in die Welt der Menschen sein. Wenn der Tag für Dich gekommen ist, nach Hause zu gehen, werde ich Dich abholen."
Der kleine blonde Engel zappelte vor Aufregung hin und her. Er konnte nicht stillstehen und rief: "Ja, ja, ich möchte endlich los. Bald bin ich wieder zurück."
"Halt, halt", rief der große Schutzengel "Deine Flügel musst Du hier lassen! Ich werde sie für Dich aufbewahren, bis Du wiederkommst".
"Woher weiß ich, wann ich nach Hause kommen soll?" fragte der kleine Engel. "Du wirst es spüren", sagte der Schutzengel, "dann werde ich bei Dir sein."
Zur gleichen Zeit spürte die Mutter, daß das Baby bald kommen würde, und an einem heißen Spätsommertag war es dann soweit.
Der kleine blonde Engel tauchte durch das Himmelsreich, durch die Wolken in das irdische Leben in Gestalt eines kleinen, blonden Menschenjungen.
Die glücklichen Eltern gaben ihrem kleinen Sohn einen "Namen" und die beiden Töchter waren voller Stolz und Freude über die Geburt ihres kleinen Bruders.
Der kleine Junge wuchs in der Familie heran und seine beiden Schwestern umsorgten ihn fürsorglich. Er war voller Liebe und Wärme und spendete der Familie viel Licht und Kraft.
 Es kam der Tag, an dem kleinen Jungen der Schutzengel erschien. Er tippte ihm behutsam auf die Schulter und sagte:
"Kleiner, blonder Engel! Es wird Zeit, nach Hause zu gehen!" Der Junge antwortete: "Aber ich will noch bleiben. Ich fühle mich wohl bei meiner Familie:"
"Ich weiß, daß die Liebe Deiner Familie so groß ist, daß es schwer fällt, zu gehen. Aber erinnere Dich! Deine Aufgaben sind im Himmelsreich." sagte der große Schutzengel.
"Du hast Recht, ich komme.", antwortete der kleine Junge, "werde ich meine Eltern und meine Schwestern jemals wieder sehen?".
Der Schutzengel überlegte einen Augenblick und sprach dann: " Wenn die Liebe Deiner Eltern und Schwestern so groß ist, daß sie wieder an Engel glauben können,
dann wird es für Euch ein Wiedersehen geben." Der Schutzengel griff unter einen weiten Umhang und holte ein paar kleine goldene Flügel hervor und legte sie dem kleinen Jungen an.
Da lachte der, er lachte mit seiner hellen, klaren Stimme, daß alle Sternlein am Himmelszelt wackelten, glücklich, daß er seine Flügel wieder hatte.
Der Schutzengel nahm seinen kleinen Freund bei der Hand... und sie schwebten glücklich zurück ins Himmelsreich, begleitet von der Liebe seiner Eltern und Schwestern...
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Autor: unbekannt
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Geschichte eines Engels
Einst saßen einige kleine
Engelfreunde zusammen auf ihren liebsten Sternen und schauten herunter auf die Erde. Einer der kleinen Engel sah dort unten zwei Menschen, die sehr glücklich miteinander waren. Er sah auch, dass die
beiden gerne Kinder bekommen wollten. Der kleine Engel fand das ganz toll und ging zum lieben Gott um ihm davon zu berichten. Der kleine Engel wollte so gerne zu diesen beiden Menschen gehören, denn er
fand sie sehr nett. Der liebe Gott hörte sich geduldig das Anliegen des kleinen Engels an und meinte dann mit seiner tiefen, ruhigen Stimme: "Kleiner Engel, du darfst zu diesen Menschen auf die
Erde. Aber sei dir bewusst, es ist ein weiter Weg und du wirst nicht lange bleiben können. Diese beiden sind noch nicht ganz bereit für ein Kind, auch wenn sie gerne eines hätten. Es sind erst noch
andere Dinge zu erledigen, aber dafür brauchen sie Hilfe. Gehe du zu ihnen, wenn du es willst und zeige ihnen den richtigen Weg. Aber wenn deine Aufgabe erfüllt ist, musst du wieder zurück kommen und den
Weg freimachen für einen anderen kleinen Engel." Der kleine Engel schaute traurig auf die Erde und überlegte, was er nun tun sollte. Aber er wollte so gerne diese beiden Menschen kennen lernen,
von ihnen geliebt werden und ihnen helfen, dass er den weiten Weg auf sich nehmen wollte obwohl er nicht lange würde bleiben können.
Die beiden Menschen freuten sich sehr über seine Ankunft und erledigten die Dinge, die erledigt werden mussten. Aber eine Sache konnte nur in Gang gebracht werden, indem der kleine
Engel sie wieder verließ. Schweren Herzens verabschiedete er sich von seinen Eltern und nahm das Gefühl mit sich, so sehr geliebt zu werden, wie man es sich kaum vorstellen kann Die
Eltern waren sehr traurig und verzweifelt, als der kleine Engel sie verlassen hatte. Aber sie halfen sich gegenseitig und so waren sie bald bereit, einen neuen kleinen
Engel in Empfang zu nehmen. Der liebe Gott sah das und war sehr zufrieden.
Wenig später sah ein anderer kleiner Engel die beiden Menschen und wünschte sich nichts sehnlicher, als bei diesen beiden Kind sein zu dürfen.
Der liebe Gott schickte ihn auf die lange Reise und dieser kleine Engel durfte länger bei seinen Eltern bleiben.
Der erste kleine Engel sitzt noch heute auf seinem strahlenden Stern und schaut hinunter zu seinen Eltern. Er freut sich für seinen kleinen Engelfreund, dass er dort
bleiben durfte und er wird das Gefühl, so absolut geliebt zu werden, immer im Herzen tragen, so wie seine Eltern ihn immer in ihren Herzen tragen werden.
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Autor: unbekannt
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